Autokauf: Vorsicht vor Tachomanipulationen

Die Tachomanipulation ist bei Betrügern eine verbreitete Masche, um den Käufer arglistig über wesentliche Eigenschaften des Kfz zu täuschen. Ein Pkw mit weniger Laufleistung ist zwar gut für das Geschäft des Gebrauchtwagenhändlers, ist der Kilometerstand hingegen auf eine manuelle Bearbeitung zurückzuführen, handelt es sich um eine Straftat, die Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr vorsieht. Die Kosten für eine Tachomanipulation liegen abhängig vom Modell zwischen 50 € - 1000 €, wobei die Preisspanne darauf zurückzuführen ist, dass Hersteller präventive Sicherheitsmaßnahmen installiert haben. Diese Sicherheitssysteme sind Kriminellen mitunter gar nicht bekannt, so dass der Verbraucher elektronische Hilfsmittel nutzen kann, um den tatsächlichen Kilometerstand abzurufen.

Das Bild zeigt einen manipulierten Tacho am Auto!
Vorsicht beim Autokauf vor manipulierten Tachos!

Elektronische Steuergeräte können die Machenschaften zuverlässig aufdecken:

Der tatsächliche Kilometerstand kann insbesondere bei neueren Modellen nicht nur über die Anzeige im Tachometer dargestellt werden. Die Fahrzeuge hinterlegen die Fahrleistung als elektronischer Datensatz im Zündschloss an, Steuergeräten, Wegfahrsperren oder in ESP- bzw. ABS-Modulen. Wer diese Daten ausliest, kann das Ergebnis sodann mit der Angabe des Verkäufers vergleichen. Diese Prüfung sollte unbedingt vorgenommen werden, wenn die Aussagen eines Händlers oder Privatmanns jedenfalls zweifelhaft erscheinen. Übrigens besteht auch bei einem Privatverkauf die Möglichkeit, von dem Vertrag zurückzutreten, wenn der Verkäufer über einen wesentlichen Vertragsbestandteil arglistig nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches gehandelt hat.

Das Serviceheft ist der Lebenslauf eines Pkw:

Erste Zweifel müssen nicht zwangsläufig in der Fachwerkstatt überprüft werden. Das Serviceheft spiegelt gewissermaßen das bisherige Leben des Fahrzeuges wider. Insoweit können sich aus der Liste im Serviceheft bereits erste Indizien für betrügerische Absichten ergeben. Allerdings sollten Gebrauchtwagenkäufer darauf achten, dass auch Servicehefte bevorzugt manipuliert werden. Daher sollten die Einträge genauestens geprüft werden. Eventuell ist es ratsam mit dem aufgelisteten Werkstätten Rücksprache zu halten, ob die Leistungen tatsächlich erbracht worden sind. Anhaltspunkte für eine Fälschung können sein, dass unterschiedliche Kugelschreiber genutzt worden sind. Des Weiteren lassen Kriminelle ihrer Fantasie gerne freien Lauf, wobei sie unterschiedliche Unterschriften verwenden oder eigene Stempel kreieren. Diese Eigenschaften können den Verbraucher davor bewahren, einem Betrug zum Opfer zu werden. In letzter Instanz sollte auch der Vorbesitzer, dessen Name sich unmittelbar aus dem Fahrzeugbrief ergibt, kontaktiert werden. Einige Fachwerkstätten dokumentieren ihre Arbeiten durch einen Servicezettel, den sie am Holm hinter der Fahrertür anbringen. Diese aussagekräftige Notiz wird von den Fälschern häufig übersehen.

Den allgemeinen Zustand des Fahrzeugs überprüfen:

Von einem Auto mit geringer Fahrleistung sollte erwartet werden können, dass auch im Innenraum keine wesentlichen Abnutzungsspuren vorhanden sind. Daher lohnt sich insbesondere der Blick in den Fußraum des Pkw. Zeigen die einzelnen Pedale massive Gebrauchsspuren, wirkt das Lenkrad abgegriffen, ist der Schalthebel verschlissen und wirken die Sitze abgenutzt, sind derartige Eigenschaften nur schwer mit einem neuwertigen Zustand zu vereinbaren. Eine geringe Kilometerleistung ist regelmäßig jedenfalls ausgeschlossen, wenn das Fahrzeug offensichtlich viel genutzt worden ist. Bevor ein Gebrauchtwagen gekauft wird, sollte er auch von einem Sachverständigen geprüft werden. Bei Ungereimtheiten ist eine fachmännische Prüfung der Aussagen unerlässlich. Diese wird von der Dekra, dem TÜV oder der KÜS angeboten, wobei unabhängige Sachverständige das Kfz auf Herz und Nieren überprüfen.

Zukunftsmodell „Car-Pass“:

Unser Nachbarland Belgien hat einen Weg gefunden, um das kriminelle Handeln der Betrüger effektiv zu bekämpfen. Der „Car-Pass“ sieht vor, dass jede Werkstatt verpflichtet wird, den Kilometerstand an eine zentrale Datenbank zu schicken, sobald sich das Fahrzeug in ihrer Obhut befindet. Neben den Werkstätten agieren auch Unfallhelfer sowie TÜV-Stellen gemeinsam gegen Tachomanipulationen. Die Kilometerstände werden daher zentral archiviert, so dass es für Betrüger sehr viel schwieriger geworden ist, nachträgliche Veränderungen zu ihren Gunsten vorzunehmen. Natürlich haben auch in dem Beneluxstaat die Betrügereien noch nicht ganz abgenommen, allerdings konnten die Fälle durch diese Methode im Jahr 2013 auf 1100 registrierte vorkommen reduziert werden. Da einige Fahrzeuge aus dem Ausland importiert werden, beispielsweise aus Deutschland, wäre insoweit eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene sinnvoll, um alle Pkw einheitlich zu erfassen.

Wichtige Tipps für den Gebrauchtwagenkauf:

Wer einen Gebrauchtwagen erwerben möchte, sollte einige Grundregeln beachten, um keine böse Überraschung zu erleben. Eine gute Sammlung dieser Regeln gibt es im Autoratgeber der Gothaer Denn die meisten Täuschungen können durch einfache Methoden aufgedeckt werden. Dazu zählt nicht nur ein schriftlicher Kaufvertrag, sondern vielmehr auch eine umfassende Prüfung des Verkäufers oder des Fahrzeugs. Beherzigt der Verbraucher die Grundregeln, die bei einem Gebrauchtwagenkauf gelten, haben es Betrüger jedenfalls deutlich schwerer, ihre gefälschte Ware erfolgreich anbieten zu können.